Was das Schweigen von McKinsey für die Strategieberatung bedeutet

Jahrelang fiel McKinsey & Company nicht nur durch seinen Einfluss auf, sondern auch durch seine seltene Bereitschaft, harte Zahlen zu veröffentlichen: Mitarbeiterzahl, Umsatz und sogar Beförderungsdaten, in seinen Nachhaltigkeitsberichten.

In einer Branche, die für ihre Verschlossenheit bekannt ist, bot das einen kleinen, aber aussagekräftigen Blick in das Innenleben des Hauses.

In diesem Jahr hat sich dieses Fenster geschlossen.

Keine Umsatzzahlen. Keine Mitarbeiterzahlen. Keine Beförderungszahlen.

Nur Schweigen.

Und in einem Markt, der genau hinschaut, sagt dieses Schweigen viel.

Ein Wechsel im Ton und im Timing

Die Entscheidung, keine Daten zu veröffentlichen, fällt nicht im luftleeren Raum.

In den vergangenen 18 Monaten ist das Umfeld der Strategieberatung enger geworden:
→ Das globale Umsatzwachstum ist auf einstellige Raten gesunken.
→ McKinsey hat erstmals seit Jahrzehnten Stellen abgebaut.
→ Die Beförderungen zum Senior Partner in der DACH-Region fielen von bis zu zehn pro Jahr auf nur eine 2024, bevor sie sich 2025 auf sieben erholten.

Für die bekannteste Strategiemarke der Welt ist das ein erheblicher Wandel.

Tanja Kewes vom Handelsblatt stellte die große Frage: Steckt McKinsey in der Krise?

Kein Zusammenbruch, sondern ein kontrollierter Neustart

Unsere Sicht, gestützt auf Gespräche in Großbritannien und der DACH-Region, ist differenzierter.

Das ist keine Krise, sondern eine strategische Neuausrichtung:
→ Das Haus ist nach Corona aggressiv gewachsen. Jetzt verschlankt es sich.
→ Zu erwarten sind Änderungen bei Margenerwartungen, Besetzungsquoten und der Wirtschaftlichkeit der Partner.
→ Die interne Neuordnung findet statt, aber leise.

Das ist ein Umdenken der Führung, kein Rückzug.

Verschlossenheit erzeugt Spekulation

Der Strategieberatungsmarkt lebt von Vertrauen und dem Lesen von Signalen.

Wenn ein Haus wie McKinsey keine Zahlen mehr veröffentlicht, fällt das auf.

Ob der Schritt die Beobachtung begrenzen sollte oder einfach veränderte Prioritäten spiegelt, das Ergebnis ist dasselbe: Spekulation.
→ Kunden fragen, was intern passiert.
→ Kandidaten fragen sich, was das für Aufstieg und Chancen bedeutet.
→ Wettbewerber wittern Chancen und Risiken.

Deutschland schneidet leise besser ab

Interessanterweise war das Schweigen nicht vollständig.

In Deutschland hatte McKinsey ein solides Jahr 2024:
→ Sieben neue Senior Partner, eine deutliche Erholung.
→ Der Umsatz im Land wurde als „überraschend gut“ beschrieben.
→ Rückmeldungen von Partnern deuten auf starke Kundennachfrage und ein sich stabilisierendes Liefermodell hin.

Deutschland bleibt ein Wachstumsmotor und eines der härtesten Schlachtfelder um Talente im europäischen Beratungsmarkt.

Fazit

McKinsey befindet sich nicht im freien Fall.

Doch sein Schweigen ist strategisch, und gewollt oder nicht, es ist ein Signal.

In einer Branche, in der Wahrnehmung die Realität prägt, lädt Schweigen zur genauen Beobachtung ein.

Wenn der Marktführer aufhört zu reden, hören alle zu.

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Handelsblatt: Berater: Steckt McKinsey in der Krise? Originalartikel lesen
Autorin: Tanja Kewes | 17. Juni 2025

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